Constantin Freitag

Forschung

Als Linguist beschäftige ich mich primär mit natürlicher Sprache. Unter Sprache verstehe ich ein komplexes Gebilde aus abstrakten Regularitäten, die beschreiben und erklären, warum wir manche Äußerungen verstehen, andere nicht und wiederum andere lieber falsch verstehen. Einsichten, die erklären warum wir manche Sätze gut finden und einige höchst sonderbar. Antworten auf Fragen wie, wie wird Sprache gelernt, wie wird sie verarbeitet und wie ist sie in unseren Köpfen organisiert?
Kurz, ich interessiere mich dafür was Sprache ist und warum sie so ist wie sie ist und nicht anders.

Theoretische Linguistik

Die theoretische Linguistik ist das Feld der Grammatiker. Entgegen der weitläufigen Assoziation mit Grammatik, geht es jedoch nicht darum Vorschriften für sprachliche Äußerungen zu machen. Im Gegenteil, sprachliche Äußerungen werden analysiert um die zugrunde liegenden Regeln zu erforschen, die das produzieren und verstehen erlauben.
Mein spezielles Interessen gilt der Morphosyntax, die aus der Morphologie (Wortstruktur) und der Syntax (Satzbau) besteht. Zudem ergeben sich oftmals auch Verbindungen zur Semantik (Bedeutungslehre). In Kombination mit der Psycholinguistik und Sprachvergleich versuche herauszufinden welche Regularitäten ihren Ursprung in allgemeinen oder spezifischen Eigenschaften der menschlichen Kognition haben und welche Regularitäten in Form einer Grammatik erklärt werden müssen. [Forschungsprojekte ↓]

Psycholinguistik

Die Psycholinguistik widmet sich der Erforschung der Sprache mit psychologischen Methoden. Dabei versuchen wir über das Verhalten von Sprechern Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Sprache zu ziehen.
Entsprechend der theoretische Ausrichtung liegt mein Fokus auf der Satzverarbeitung. Dabei erforsche ich Prozesse, die für das Satzverstehen notwendig sind: Effekte von Lernmechanismen, intrinsische Effekte des Gedächtnisses, oder auch der Interpretationsfähigkeit.
Psycholinguistische Methoden dienen dazu empirische Evidenz für theoretische Fragestellung zu gewinnen. Derzeit nutze ich vor allem Akzeptabilitätsstudien und Self-Paced Reading Experimente um herauszufinden, welche Verarbeitungsschwierigkeiten bei der Satzverarbeitung entstehen und ob diese Schwierigkeiten die Ursache für die Dispräferenz bestimmter Satzmuster sind. [Forschungsprojekte ↓]

Strukturwissenschaften

Ausgehend von den abstrakten Beschreibungen in der theoretischen Linguistik und den Prozessen der Psycholinguistik betrachte ich Strukturen und Systeme, insbesondere solche, die in natürlichen Sprachen auftreten. Die zentrale Frage ist hierbei, ob und wie sich die Komplexität von Sprachsystemen beschreiben, messen und vergleichen lässt.
Die abstrakte Beschreibung von Strukturen und Systeme wird größtenteils in anderen Wissenschaftsdisziplinen vorangetrieben. In diesem Bereich faszinieren mich vor allem Selbstorganisationsprozesse, Eigenschaften von Netzwerken, sowie das Phänomen der Selbstähnlichkeit (fraktale Strukturen).

Methoden

In meiner Wissenschaftsvorstellung nehmen Methoden einen hohen Stellenwert ein. Sie sind der Schlüssel zu verwertbaren Ergebnissen. Eine gute Methodik hilft Fehler zu minimieren und Arbeit zu ersparen. In der Rubrik Methoden trage ich Infos und Materialien zusammen, die ich als hilfreich erachte.

Forschungsprojekte
(Klicke auf den Titel um die Beschreibung aufzurufen)
Syntaktische Extraktion

In diesem Projekt untersuchen wir die Verarbeitungseffekte, die beim Verarbeiten von Fragesätzen auftreten. In psycholinguistischen Experimenten versuchen wir Faktoren zu isolieren, die die Satzverarbeitung beeinflussen. Dadurch erhoffen wir uns eine Einsicht zu gewinnen welche Mechanismen bei der Verarbeitung von Filler-Gap Dependencies am Werk sind. Verbunden damit ist die Frage, ob syntactic islands ein grammatisches Phänomen sind oder ob sie durch Verarbeitungsschwierigkeiten erklärt werden können. Weiterhin soll geklärt werden, ob in Wh-Extraktion und Topikalisierung die gleichen kognitiven Mechanismen involviert sind.

Linguistische Akzeptabilität

Linguistische Akzeptabilitätsurteile sind Intuitionen kompetenter Sprecher. Sie haben sich als Evidenz in der Linguistik fest etabliert. Jedoch ist der Einfluss von grammatischen und extra-grammatischen Faktoren auf Akzeptabilitätsurteile noch weitgehend ungeklärt. Es soll also geklärt werden, welche Faktoren linguistische Akzeptabilitätsurteile beeinflussen und wie verschiedene Einflussfaktoren unterschieden werden können.